Auszüge aus dem Grundlagenreader „A.K.T®“
im Rahmen der Erstellung „Qualitätskriterienkatalog und Checkliste für Präventionsprogramme“ des BDP, Sektion Politische Psychologie Ffm 2002
Günther Buck, leitender Psychologe, Bag ejsa Stuttgart
Theoriebasis für Präventions- / Interventionsmaßnahmen und deren postulierte Wirksamkeit
Auf allen Präventionsebenen findet Intervention statt. Jeder Eingriff bedeutet Irritation stabiler Systeme wie z. B. Handlungsmuster, Gruppenstrukturen, Wertehierarchie.
Methoden, deren Botschaften den selben Grundwerten folgen wie die Ursachen der zu bearbeitenden Störung, wiederholen und stärken die Wirkung der schädigenden Urszene. Entscheidungsverantwortung wird durch das „aber auch“ gefördert, durch ein erneutes „entweder / oder“ eingeschränkt.
Emanzipatorisch wirksam wird die Maßnahme durch Akzeptanz des „Spielers“ und balancierende Stärkung des „Gegenspielers“.
Wirksam ist nur, was als wirklich wahrgenommen wird, d. h. die Präsentation der impulsgebenden Aussagen müssen dem Klientel ausreichend vertraut und gleichzeitig reizvoll erscheinen. Die Vielfalt von bewegenden Bewegungen im Alltag und die grundsätzliche Freude an Beweglichkeit verbindet und lässt die Beziehungen im exemplarischen Lernfeld Sensomotorik interessant genug gestalten, so daß die Bereitschaft zum neugierigen Lernen erhalten bleibt. Besonders im Bereich Gewalttätigkeit und Sucht ist die Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, Verletzungen und Tod eine gute Voraussetzung für den Einsatz von Kampfkünsten und daraus besonders mit der Ethik des Budo, dem Weg, die Lanze(!) anzuhalten und der salutogenetisch ausgerichteten Philosophie des Qigong. Die beiden Geisteshaltungen, in Bewegung sichtbar und fühlbar, sind durch ihre konsequent dialektische Lebenskampfsicht besonders nützlich in innerseelischen und/oder interpersonellen Konflikten.
Klärung und Präzisierung der Ziele
Die allgemeinen Wirkungsziele von Auftraggeber, Klienten und den Maßnahmeträgern werden vor Beginn formuliert. Aktuelle Handlungsziele werden abhängig von Zeit und Kundenleistung vereinbart. Als übergeordnetes Ziel gilt immer die Bereitschaft zur Haltungsänderung gegenüber zerstörerischen Lösungen, die Stärkung von Verantwortungsbewusstsein und die größere Verfügbarkeit von friedfertigen Alternativen.
Kriterien zur Nachprüfbarkeit werden anhand von Handlungsschrittabfolgen und mittels klientenspezifischer Parametrierung entwickelt. Fragebögen, Interviews, Selbstbewertung und Kontrollerhebungen werden vom Auftraggeber mit den jeweiligen berufseigenen Methoden entworfen. Der Anbieter stellt ausgewählte Möglichkeiten vor, z. B. aus den Bereichen Motopädie, Bewegungstherapie, eigene Qualitätskontrollbögen.
Zielgruppe
Ganz allgemein sind dies Klienten, die durch inneren Reiz (Neugier, Schmerz) und / oder äußeren Reiz (Auflagen, Strafe) zur Bearbeitung des initialen Themas bereit sind, sich aus einer speziellen unfreien Lage zu emanzipieren. Die Methode ist ausreichend elastisch und modifizierbar ohne die Grundsätze und angestrebten Wirksamkeiten aufzugeben. Sie ist anwendbar in Pädagogik, Therapie und Beratung. In allen entwicklungsfördernden Disziplinen geht es um Zunahme von Spannungstoleranz und Erhalt dynamischer Stabilität. Beides sind Oberziele der Maßnahme.
Generell ist A.K.T®
- ein (universelles) Werkzeug / Methode und eine bestimmte Haltung
[ein Mosaik, keine bloße Methodensammlung]
[ein universelles System, wie ein- und ausatmen (Atmung, die Struktur und die Prozesse der menschlichen Seele ist für Manager, behinderte Kinder und Indianer gleich…] - mit dem Schwerpunkt: individuelles und interaktionelles Körper / Leib- und Bewegungserleben und -erfahren (Arbeit mit, über und durch den Körper / Bewegung)
- um bestimmte lebensfreundliche Ziele zu erreichen
Was kann man erreichen? – Ziele
- Entwicklung einer inneren Haltung (Absicht, Einstellung) über die Auseinandersetzung mit den hellen und dunklen Seiten im Menschen
- Kämpfen können ohne zu zerstören (sozialverträgliche Konfliktlösungen finden)
- Ressourcen finden und entwickeln
- Weiterentwicklung in den vier elementaren Kommunikationsbereichen
- führt zu: mehr Wahl- und Handlungsmöglichkeiten (größtmögliche Autonomie)
- größerem Verantwortungsbewusstsein (die Spannung zwischen Lebenswünschen und Realität aushalten können)
- mehr Selbstsicherheit, -vertrauen, -bewusstsein (personale, emotionale, soziale Kompetenzen; „auf der Suche nach dem Glück nicht verrückt werden“)
Dazu ist es hilfreich, bestimmte „Tugenden“ (Haltungen) zu üben (trainieren):
- Warmherzigkeit – Empathie
- Wachsamkeit – realistische Wahrnehmung nach innen und außen
- Wehrhaftigkeit – Grenzen ziehen können; Selbstbewusstsein / -behauptung
- Wendigkeit – Anpassungsfähigkeit / Flexibilität / mehrere Möglichkeiten haben
Es geht nicht darum:
- unerwünschtes Fühlen und Handeln ab- oder wegzutrainieren.
- nie wieder Aggression, Wut, Leidenschaft, Angst aller Art zu empfinden.
- verbotenen Gefühle oder Handlungen als schlecht zu brandmarken.
Was wird in der Weiterbildung zur AffektkontrolltrainerIn vermittelt?
- Begriffsklärung Affekte, Kontrolle, Training.
- Grundannahmen: Jeder hat was er braucht um seine Probleme zu lösen. (de Shazer, Berg, Ericson)
- Der Mensch ist stets zu achten, seine Taten und Haltungen nicht immer (Augustinus, Buddha).
- In allen lebendigen Systemen gibt es auf allen Ebenen selbstähnliche Logiken (Maturana, Ciompi).
- Denken ist Probehandeln (Neurobiologie).
- Therapeutische Abstinenz ist nicht möglich (Bauriedel).
- Denken und Handeln wirken zirkulär (systemische Theorie).
- Die „Physiologie des Umdenkens, Umlernens, Umkehrens“ (Grawe, Huether, Galese).
Welche Methoden werden in der Weiterbildung vorgestellt?
- Lernen durch Körpererfahrung und Leiberinnerung (Piaget)
- Die Kraft der Imagination, die „Ideokinese“ (Wunderfrage, Qigong u.v.m.)
- Rollenspiele, Materialerfahrung, die fünf Sinne schulen (Psychomotorik, Motopädie, Sonderpädagogik)
- Gesprächsführung, Fragetechniken und Evaluation
- Dialektisches Denken, mäeutisches Begleiten (Sokrates)
- Spiel der vier Tiere, Philosophie des Budo, Zenidee (Schröder, Brendel)
- Konfrontatives Begleiten (Farrelly, Weidner)
- Rituale, Etikette, Schutzräume, Vereinbarungen (Brendel, Schröder)
- Ressourcen-lösungsorientiertes Handeln (Ericson, de Shazer), Zielformulierung, verschiedene Konfliktlösungsmodelle, Stressbewältigungsstrategien
- Meditation, Tanz, konzentratives Bewegen (Schröder, Petzold)
- Grenzüberschreitung als Selbsterfahrung („Erlebnispädagogik“)